Religion im Uni-Kontext

Ergebnisse der Umfrage vom April/Mai 2018

 

Hier findest du einen Artikel zur Umfrage und weiter unten einige Grafiken.

 

Der Fitness-Gott schubst   

Jesus vom Thron.


von Elias Meile

 

Die Mehrheit der Studierenden in Fribourg sind davon überzeugt, dass „Gott“ nur ein menschgemachtes Konstrukt sein kann – ganz anders als noch vor 30 Jahren. Das bedeutet aber keineswegs, dass heute keine Fragen zum Glauben und zur Kirche mehr gestellt werden. Und: Die Studierenden sind deutlich sportlicher geworden. Das zeigt eine Umfrage, welche die Uni-Bibelgruppen im Jahr 1989 und jetzt erneut durchgeführt haben.

 

In der Februar-Ausgabe hat „Spectrum“ einen Archiv-Artikel mit dem etwas spröden Titel „Studium und Weltanschauung. Ergebnisse einer Umfrage“ veröffentlicht. Der im Dezember 1989 gedruckte Text stellt unter anderem fest: „Der 'durchschnittliche' Freiburger Student glaubt an Gott als den allmächtigen Schöpfer der Welt und dass Jesus Christus Gottes Sohn ist […].“ Die Bibelgruppen der Uni haben sich die Aufgabe gestellt, herauszufinden, ob diese Aussage auch im Jahr 2018 noch Gültigkeit besitzt. Dazu wurde in diesem Frühling eine Umfrage an den beiden Campus durchgeführt, an welcher 549, also rund 5% der Freiburger Studierenden teilgenommen haben.

 

Gerade vorweg: Wenn schon, dann ist es nicht “der durchschnittliche Student“, sondern die Uni-Welt ist nicht nur geschlechtersensibel, sondern auch mehrheitlich weiblich geworden. Die Frauen stellen inzwischen 60% der Umfrageteilnehmer, was exakt der Verteilung an der gesamten Uni entspricht. Die Durchschnitts-Umfrageteilnehmerin ist zwischen 21 und 30 Jahren alt, studiert an der philosophischen Fakultät und ist Schweizerin.

 

Was sich aber vor allem verändert hat, ist die Einstellung der Studierenden zu religiösen Themen. Heute hält 56% der Studis Gott für eine von Menschen ausgedachte Institution. Zum Vergleich: Sogar unter den Konfessionslosen hielten vor 30 Jahren zwei Drittel Gott nicht für menschgemacht. Dennoch findet die Mehrheit der Studierenden, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist (69%) – erstaunlicherweise teilte früher nur rund die Hälfte der Studierenden diese Ansicht. Trotz ihrer persönlichen Distanz zu religiösen Konzepten sieht sie Wissenschaft und Glaube nicht als Widerspruch (58%; 1989: 21%) und findet auch, dass die Kirchengeschichte kein Hindernis ist, an Gott zu glauben (57%; 1989: 16%). Aber dennoch zeigen die Zahlen ein markantes Wachstum in der Gruppe der Skeptiker.

 

Wir möchten uns aber nicht bloss beim Jenseitigen aufhalten. An der Uni treiben heute 89% der Studis Sport (1889: 63%), wobei die Katholiken nun in Sachen Fitness die Nase leicht vorne haben. Die Theologen können ihren Rückstand zwar deutlich reduzieren (es trieben nur gerade 39% Sport), bilden aber nach wie vor das Schlusslicht unter den Fakultäten: Heute sind immerhin vier Fünftel der Befragten sportlich aktiv. Der Fitness-Gott hat an der Sarine also den Thron für sich erobert.

 

Auffällig sind auch die Veränderungen bezüglich der Frage nach dem Ziel des Lebens: 48% geben hier „Glück finden“ an, fast doppelt so viel wie früher (1989: 27%); 11% wollen die Welt verändern (1989: 10%); nur noch 4% sehnen sich nach beruflichem Erfolg (1989: 8%), nicht einmal bei den Juristen (5%). Der Anteil derjenigen, welche sich nicht auf eine vorgegebene Antwort festlegen wollte und mit „Andere“ geantwortet hat, ist von 48% auf 18% richtiggehend kollabiert.

 

Zum Abschluss wurden die Teilnehmenden gebeten, fakultativ ihre eigene Frage bezüglich Gott, Glaube und Religion zu formulieren. Das Resultat: Deutlich mehr als die Hälfte macht sich durchaus Gedanken zu diesem Themenfeld. „Wieso gibt es Kriege, wenn Gott in der Welt Gutes tut?“, fragt etwa eine Studentin der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Oder ihre Kolleginnen und Kollegen: „Wieso bringt die Religion so viele Ungleichheiten hervor?“, „Was ist nach dem Tod?“, „Wieso ist die katholische Religion die einzige, welche einen Staat hat?“. Und schliesslich von einem Studenten zwischen 21 und 30 Jahren die Gretchenfrage: „Was ist der formale Beweis, dass Gott existiert?“. Die befragten Studierenden sind heute also skeptischer als vor 30 Jahren, stellen sich aber durchaus tiefgründige Fragen zum Thema Religion und Glaube.

 

Hier ist die Auswertung der einzelnen Fragen grafisch dargestellt und den Ergebnissen von vor 30 Jahren gegenübergestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begründet glauben...